Lesung 1

Zwei Betrachtungspunkte – Matthäus erzählt

Andacht vorlesen lassen
James Tissot, The Chief Priests Take Counsel Together, 1894
James Tissot, The Chief Priests Take Counsel Together, 1894, Watercolor and Graphite on Paper
Ein Wort aus Matthäus (26,1–5)

1Als Jesus zu Ende gesprochen hatte, sagte er zu seinen Jüngern: 2»Wie ihr wisst, beginnen in zwei Tagen die Feierlichkeiten zum Passahfest. Dann wird der Menschensohn verraten und gekreuzigt werden.«

3Zur selben Zeit trafen sich die obersten Priester und die Ältesten des jüdischen Volkes im Haus von Kaiphas, dem Hohen Priester, 4um zu beraten, wie sie Jesus heimlich verhaften und töten könnten. 5»Aber es darf nicht während des Passahfestes geschehen«, hatten sie beschlossen, »sonst gibt es einen Aufruhr.«

Der Jünger Matthäus spricht

Bevor ich Jesus begegnete, war ich Zöllner. An dem Tag, als der Meister mich sah – herzlos und immer noch andere an meinem Zöllnertisch betrügend –, rief er meinen Namen. Entgegen aller Konventionen lud er sich selbst zum Abendessen in mein Haus ein.

Seitdem bin ich nicht mehr derselbe. Und ich bin nicht der Einzige. Jeder, der Jesus begegnete – und sein Herz für seine Botschaft öffnete –, wurde für immer verändert. Kein Wunder, dass sein dramatischer Tod so viele von uns erschütterte und aus der Bahn warf. Zwei Fragen quälten uns:

Waren die Ereignisse um den Tod Jesu eine überraschende und unglückliche Tragödie – die eines guten Mannes, der offenbar doch nicht der allmächtige Sohn Gottes war? Oder starb Jesus als Messias und Sohn Gottes, der alles so geschehen ließ, wie es geschehen sollte?

Lasst mich euch erzählen, was ich beobachtet habe und woran ich zu glauben begann – dann könnt ihr selbst entscheiden.

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An der Begeisterung am Tag, als Jesus triumphierend in Jerusalem einzog, war deutlich zu spüren: Das einfache Volk war voller Hoffnung, er sei ihr Messias – der Retter, auf den sie so lange gewartet hatten. Diese Popularität Jesu bedrohte die religiösen Führer. Zudem standen sie unter dem Druck der römischen Herrscher, das Volk zu beruhigen.

Der Sanhedrin wusste: Verhafteten sie Jesus während des Passahfestes, könnte die Menge davon erfahren und protestieren oder randalieren – und fordern, dass Jesus die Macht ergreife. Dieses Risiko war nicht tragbar. Sie beschlossen, die Lage zu kontrollieren, indem sie Jesus nach den Passahfeierlichkeiten heimlich verhafteten. Bis dahin würde die Menge, die längst erkannt hätte, dass Jesus Rom doch nicht stürzen würde, desillusioniert sein und sich auf den Heimweg machen. Jesus könnte dann verhaftet, vor Gericht gestellt und ein für alle Mal beseitigt werden.

In der letzten Woche seines irdischen Lebens enttäuschte Jesus die Menschen. Er stürzte die Römer nicht und errichtete nicht sein Königreich, wie sie es erhofft hatten. Stattdessen zog er auf einem Esel in Jerusalem ein, lehrte im Tempel und tat kaum mehr, als die Tische der Geldwechsler umzuwerfen.

Mit anderen Worten: Die ganze Woche traf er Entscheidungen, die in den Plan seines Vaters passten – für sein abtrünniges Volk zu sterben. Selbst wir, seine eigenen Jünger, standen unter dem Bann, einen siegreichen Messias zu wollen. Ein gekreuzigter Messias war undenkbar.

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Dabei ist es merkwürdig, dass wir so unvorbereitet waren – hatte Jesus doch selbst lange vor seinem Tod immer wieder von seinem Sterben gesprochen. In der Woche vor seinem Tod sagte er uns:

„Brüder, jetzt, da das Passahfest beginnt, werdet euch bitte eurer Missverständnisse über den Messias und Gottes Reich bewusst. Erinnert euch an meine wiederholten Ankündigungen auf unseren Wegen zwischen den Dörfern: ‚Ich muss durch die Hand der religiösen Führer sterben – und dann werde ich von den Toten auferstehen.' Freunde, die Zeit meines Todes ist jetzt gekommen. Seid wachsam. Ich kenne die genauen Pläne meiner Feinde, und sie fügen sich in einen göttlichen, übergeordneten Plan. Verpasst das nicht: Es ist der Vater, der mich ihren bösen Absichten ausliefert."

Ich glaube heute: Nichts, was in den Tagen vor Verhaftung und Kreuzigung Jesu geschah, kam unserem Erlöser überraschend.

Leider sahen viele am Ende der Passahwoche es anders. Sie gingen davon aus, dass Jesu Tod beweise, er sei eben nicht der jüdische Messias oder Sohn Gottes gewesen. Er mochte Wunder gewirkt und Gottes Gesetz gelehrt haben – aber im entscheidenden Moment hatte er versagt. So fanden sie sich mit der Sichtweise ab, dass die Priester ihn zu Recht der Gotteslästerung schuldig gesprochen hatten und dass Rom sich zu Recht eines Wahnsinnigen oder potenziellen Rivalen für Caesars Herrschaft entledigt hatte.

Darum lade ich euch ein: Kommt, hört zu und entscheidet selbst – anhand der Zeugnisse derer, die dabei waren und ihre manchmal erschreckenden Schlussfolgerungen teilen.

Ein Gebet für das Herz
Vater, öffne meine Augen und Ohren, während ich die größte aller Geschichten lese – wie und warum dein Sohn am Kreuz starb und vom Tod auferstand. War sein Leiden auf Golgatha ein Zufall, oder war es das Werk deiner Hand? Die Antwort betrifft uns alle – besonders die, die selbst chaotische, schwere Zeiten erlebt haben und sich fragen, ob ihr Leben einen Sinn hat. Führe mich zu deiner Wahrheit. Und hilf mir dann, in den Tod und die Auferstehung deines Sohnes hineinzuleben.
Reflektieren
Wie wurden Jesu Tod und Auferstehung für mich zum ersten Mal bedeutungsvoll? Welche Hoffnung trage ich in mir, wenn ich mich jetzt mit der Geschichte vom Kreuz vertiefe?
Quellenangaben

Bild: James Tissot, The Chief Priests Take Counsel Together, 1894, Watercolor and Graphite on Paper.

Bibeltext: Neues Leben Bibel (NLB) © 2025 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Max-Eyth-Str. 41, 71088 Holzgerlingen · www.scm-brockhaus.de

Geschichte: Mit Erlaubnis des Autors. Three Nails One Purpose – 40 Readings for Following Christ to His Cross and Resurrection, by John S. Lewis. First Edition Trade Book, 2017. Copyright © 2017 Cory Hartman and William Haley. Ins Deutsche übersetzt durch DeepL, Lektorat Claude und Johannes Dappen.

Audio: Die in diesem Audio verwendeten Stimmen wurden synthetisch mit ElevenLabs erzeugt.